Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

Projektwoche an der Gesamtschule Barmen (12. bis 16. Oktober 2026)

Vom 12. bis 16. Oktober 2026 findet an der Gesamtschule Barmen eine Projektwoche zur Demokratiebildung mit dem Schwerpunkt Europa statt. Den Auftakt bilden sechs Workshops am 12. Oktober an der Bergischen Universität Wuppertal.

In den Workshops beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit europäischen Grundwerten, Menschenrechten, Gleichstellung, Rechtsextremismus sowie Fragen politischer Emotionen und gesellschaftlicher Verantwortung. Aufbauend auf diesen Impulsen entwickeln sie im weiteren Verlauf der Projektwoche eigene Beiträge in Form von Videos, Podcasts und Plakaten.

Die Workshops im Überblick

Florian Monstadt

In diesem Workshop setzen wir uns damit auseinander, welche Werte uns persönlich wichtig sind und warum diese auch für das Zusammenleben in Europa eine Rolle spielen. Wir erleben, dass Menschen Werte unterschiedlich gewichten: in unserem sozialen Umfeld, in Deutschland und innerhalb der Europäischen Union. Gleichzeitig finden wir heraus, welche gemeinsamen Werte Europa verbinden sollen, zum Beispiel Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung von Menschenrechten. Ziel des Workshops ist es, eigene Überzeugungen zu reflektieren und andere Perspektiven kennenzulernen, um besser zu verstehen, warum Demokratie in Europa vom Mitmachen, Aushandeln und Verteidigen gemeinsamer Grundwerte lebt.

Smail Rapic

Alle Staaten, die dem Europarat beigetreten sind, haben die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet. Sie ist damit in diesen Staaten rechtsverbindlich. Russland wurde 2022 wegen des völkerrechtswidrigen Angrffskriegs gegen die Ukraine aus dem Europarat ausgeschlossen. Über die Respektierung der Menschenrechte in den Staaten des Europarats wacht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Er verurteilte 2024 Griechenland wegen der – zum Teil gewaltsamen – Abschiebung von Geflüchteten ohne Prüfung ihres Asylantrags. Zur Zeit laufen Verfahren wegen solcher “Pushbacks” gegen Polen, Lettland und Litauen. Mehrere europäische Regierungen verlangen vom Europäischen Gerichtshof, diese Verfahren einzustellen. Die Europäische Union hat ihr Asylrecht gerade verschärft. Ist dies mit den Menschenrechten vereinbar? Hierzu wollen wir uns im Workshop anhand von Zeitungsartikeln und Berichten von Menschenrechtsorganisationen eine Meinung bilden.

 

Johanna Grad

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein zentrales Ziel der EU und ein Grundwert unserer Demokratie. Ein Blick auf die Realität zeigt jedoch, dass gleiche Rechte auf dem Papier noch lange nicht gleiche Chancen im Alltag bedeuten: Warum verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer? Warum entscheiden Rollenbilder und Vorurteile oft darüber, welchen Beruf man wählt und wie erfolgreich man darin ist? Warum können queere Menschen in manchen EU-Ländern sicherer und freier leben als in anderen?

In diesem Workshop werden wir einen Blick auf unseren Alltag und die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Menschen in den verschiedenen EU-Ländern und gehen der Frage nach, was die EU konkret zur Förderung von Gleichberechtigung und Gleichstellung unternimmt. Dabei untersuchen wir, was das ganz praktisch für jeden von uns jetzt und in Zukunft bedeutet – sei es beim Schutz vor Diskriminierung, bei der fairen Bezahlung im Beruf oder bei der Freiheit, das eigene Leben ohne einschränkende Vorurteile zu planen. 

 

Elke Jäger-Klütsch, Hella Marenz

In diesem Workshop sollen die Schüler*innen über die Bedrohung der demokratischen Staatsform und den Zusammenhalt der EU durch den Aufstieg des Rechtsextremismus, und die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in einer Reihe europäischer Länder aufgeklärt werden. Sie sollen zugleich für den manipulativen Einsatz von Fake News durch rechtsextremistische Gruppierungen sensibilisiert werden. 

Die Schüler*innen spielen ein Game zur Aufklärung über rechtsextremistische Strategien in Sozialen Medien. Der Workshop wird in Gruppen aufgeteilt, und die Schüler*innen treffen während des Games mehrere Gruppenentscheidungen. Nach dem Durchlauf des Games reflektieren sie ihre Entscheidungen und diskutieren, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt, wenn sie im Netz auf extremistische Inhalte treffen.

Tobias Klass

Der Aufstieg autoritärer Bewegungen auch in Europa geht einher mit einer zunehmenden Ablehnung europäischer Werte bei gleichzeitiger Kultivierung kollektiver Wut. Im Zuge der cultural wars, die immer stärker in den Vordergrund der politischen Debatten rücken, sind regelrechte Empörungskulturen entstanden. Jede auf Verständigung oder doch zumindest auf Verständnis des anderen setzende Diskussionskultur, die noch stets für das demokratische Selbstverständnis Europas spätestens seit der Aufklärung essentiell war, wird so systematisch unterlaufen. Nun ist Wut ein vielschichtiges Phänomen, das seit der Antike Gegenstand zahlreicher philosophischer und politischer Debatten war, aus denen Europa als ein ebenso verständigungs- wie friedens-orientiertes Projekt hervorgegangen ist.

Der Workshop will den Versuch unternehmen, den Schüler*innen, die aus dem Schulalltag vor allem gewohnt sind, dass ihrer Wut Grenzen gesetzt werden, im debattierenden, aber auch spielerischen Umgang mit wichtigen Thesen aus 2000 Jahren philosophischer Wut-Reflexion zu ermöglichen, einen Eindruck von der Komplexität des Affekts zu bekommen und zugleich für sich das Maß zwischen der Ohmacht-überwindenden, also positiven, und der Andere vernichtenden, also negativen, Seite des Affekts zu entdecken

Anne-Rose Meyer

Das Ziel des Workshops ist es, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen für den Umgang mit der Nachrichtenflut in Social Media zu sensibilisieren – hinsichtlich ihres eigenen psychischen Befindens und hinsichtlich der möglichen praktischen Konsequenzen für das eigene Handeln, die das Wissen um Kriege und Krisen haben kann. Nach einer Orientierungsphase, in der die Anwesenden sich über ihren Medienkonsum und die aktuelle Nachrichtenlage verständigen, folgt eine Gruppendiskussion zu der Frage, wie wir uns beim Verfolgen von Nachrichten fühlen und ob diese uns betreffen und ob wir ggf. eingreifen können oder gar müssen. In einer Gruppenarbeitsphase lesen die Schüler und Schülerinnen anschließend das Gedicht Botschaften des Regens von Günter Kunert aus dem Jahr 1955. Dieses greift die Problematik auf, einerseits über die Weltlage informiert und davon emotional betroffen zu sein, andererseits aber in Passivität zu verharren. In der anschließenden Gruppendiskussion äußern die Schüler ihre Reaktionen auf das Gedicht und überlegen gemeinsam, wie sie vom passiven Nachrichtenkonsum wenigstens punktuell zum politischen Handeln finden können.